IV. Deutsche Kurzfassung fremdsprachiger Aufsätze
IV./.1 Maria Schiller
The implementation trap: the local
level and diversity policies
International Review of Administrative
Sciences, Band 83, Heft 2, 2016, S. 267–
282
Die “Umsetzungs-Falle”: Die lokale Ebene und Diversitätspolitiken
Ausgehend von der These, dass die lokale Ebene selbstbewusster und eigenständiger
bei der Entwicklung einer eigenen Migrationspolitik geworden ist, untersucht der
Beitrag, ob und in welchem Maß diese eigenen Ansätze umgesetzt werden. Dazu
nutzt die Autorin einen Mehr-Ebenen-Ansatz, der die Bedeutung der internationalen
und nationalen Strukturen berücksichtigt und gleichzeitig die lokale Ebene fokussiert.
Die Untersuchung bezieht sich auf die Städte Amsterdam, Antwerpen und Leeds, wo
die Autorin jeweils 5 bis 8 Wochen die für Diversitätspolitik zuständigen Stellen
besuchte und Interviews mit 35 Bediensteten führte, die mit der Umsetzung dieser
Politik befasst sind.
Die drei Städte wurden ausgewählt, weil die Idee des Multikulturalismus in allen drei
Städten sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene umstritten war. Im
Vereinigten Königreich waren die nationalen Debatten angeheizt von den Unruhen im
Norden 2001 und den Bombenattentaten in London 2005. Leeds war eine der Städte,
in denen es Unruhen gab, und zwei der London-Attentäter waren aus Leeds. In den
Niederlanden proklamierten Pim Fortuyn, Paul Scheffer und Geert Wilders das
„Scheitern des Multikulturalismus“. Seit Beginn der 1990er Jahre gab es in Amsterdam
eine Debatte über eine aus Migranten bestehende urbane Unterschicht. In Belgien
setzte der Aufstieg der Nationalisten und ihr erdrutschhafter Sieg bei den lokalen
Wahlen in Antwerpen die Regierung unter Druck, das Thema der Migrationspolitik mit
eigenen Konzepten zu besetzen. Wegen dieser Entwicklungen hatten die lokalen
Politiker in den drei Städten genügend Gründe, eine neue Einwanderungspolitik, wie
die Diversitätspolitik zu entwickeln.
Der Artikel fokussiert das Diversitätskonzept wie es den lokalen Diversitätspolitiken
zugrunde liegt, die von zahlreichen europäischen Städten in den vergangenen 15
Jahren eingeführt wurden. Amsterdam formulierte 1999 sein „Strength of a Diverse
City“, Leeds setze „Equality and Diversity“ 2006 in Kraft und Antwerpen veröffentlichte
2006 seinen „City Diversity Plan“. Alle drei Konzepte beschreiben Diversität sehr
ähnlich und beinhalten drei Kernideen. Sie erkennen Diversität als eine allgemeine
Eigenschaft der Gesellschaft an und weisen dabei auf die demographische
Entwicklung sowie die Migration und Pluralisierung der Gesellschaft hin. Sie definieren
Diversität als einen positiven Ansatz hinsichtlich sozialer Unterscheidung. Demnach
kann Diversität negative Auswirkungen von Einwanderung und der daraus folgenden
Pluralisierung der Bevölkerung entgegenwirken und zu einem Nutzen umgewandelt




