werden, auch wenn oft unklar bleibt, worin der Nutzen genau besteht. Die
Diversitätspolitiken fördern eine individuelle Herangehensweise an die Gesellschaft
und berücksichtigen eine Vielzahl von Kategorien (Ethnie, Geschlecht, Alter, sexuelle
Orientierung, Behinderung, Glaube) und gehen damit über die ethnischen Gruppen
hinaus, die als die bestimmende Eigenschaft von multikulturellen Politiken gelten.
Basierend auf diesen drei Ideen vergleicht der Artikel die Diversitätspolitiken und
deren Umsetzung.
Im Ergebnis wird in allen drei Städten eine Diskrepanz zwischen den politischen
Konzepten einerseits und der Umsetzung der Diversitätspolitik andererseits
festgestellt. Für diese sog. „Umsetzungs-Falle“ werden zwei Hauptgründe identifiziert.
Der erste Grund liegt in der organisatorischen Struktur der lokalen Verwaltung und der
Stellung der für die Diversitätspolitik zuständigen Stellen in der institutionellen
Hierarchie. Zunächst waren die zuständigen Stellen regelmäßig in strategischen
Positionen in der Stadtverwaltung nah bei Politikern angesiedelt. Bei
Umstrukturierungen bekamen diese Stellen zum Beispiel in Antwerpen eine andere
Bedeutung, weil sie in der Hierarchie weiter entfernt von Politikern angesiedelt
wurden. Dadurch veränderten sich das Verhältnis und die Kommunikation zur
politischen Ebene.
Die Stellung der Diversitätsreferate innerhalb der Organisationsstruktur ist aber sehr
bedeutsam für die Möglichkeiten der Umsetzung der Diversitätspolitik. Die
Hauptaufgabe der Diversitätsreferate bestand darin, andere Referate dabei zu
beraten, gesellschaftliche Differenzierungen in ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Die
Beratungen waren ein freiwilliges und nicht bindendes Angebot. Für die Frage, ob und
wie weit die Ratschläge der Diversitätsreferate befolgt wurden, war die Stellung in der
institutionellen Hierarchie daher sehr bedeutsam. In einer Struktur, in der die
Diversitätsreferate in derselben Hierarchieebene wie die anderen Referate waren,
hatten sie nicht die Möglichkeit, ihre Vorstellungen gegen den Willen der anderen
Referate durchzusetzen. Insofern war die Bedeutung von Diversität abhängig von den
Machtverhältnissen in der lokalen Verwaltung und der Stellung der Diversitätsreferate
in den Verwaltungsstrukturen. Der Verlust der Stellung in den höheren
Hierarchieebenen in der Verwaltung und weg von den politischen Repräsentanten
führte zu einem Verlust von Macht zur Durchsetzung der Diversitätskonzepte in
anderen Referaten.
Hierbei gibt es jedoch Unterschiede zwischen den drei Städten, die auch mit dem
jeweiligen nationalen Rechtsrahmen zusammenhängen. Die strategisch bedeutsame
Stellung des Diversitätsreferats in der Verwaltungsstruktur in Leeds führte zusammen
mit dem starken rechtlichen Rahmen im Vereinigten Königreich zu einer wesentlich
stärkeren Position der Diversitätsreferenten als bei den Kollegen in Antwerpen. Dort
bedeutete der fehlende rechtliche Rahmen und die Anordnung auf einer Ebene mit
den anderen Referaten eine schwächere Position der Diversitätspolitik.
Der zweite Faktor zur Erklärung der Diskrepanz zwischen den politischen Konzepten
und der Durchführung der Diversitätspolitik ist der Zuschnitt der Zuständigkeiten und
der Entwicklung dieses Zuschnitts. In allen drei untersuchten Städten entstanden die
Diversitätsreferate durch Zusammenlegung mehrerer einzelner Referate, die zuvor für
verschiedene spezifische Minderheiten zuständig waren. Diese behandelten einzelne
Themen wie Rasse/Ethnie, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Behinderung und




