Reform der Aufgaben- und Funktionsverteilung. Der Bericht ruft auf zu einer
Besinnung auf die Bedürfnisse und die spezifischen Dienstleistungen, die die
Ministerien der Allgemeinheit erbringen müssen und die die alleinigen Prinzipien für
die Regierungsorganisation insgesamt sind. Er empfiehlt eine Klärung der Aufgaben
der
Civil Servants
und ihrer Kompetenzen.
1922 ist Lord Haldane beteiligt an der Gründung eines Instituts für öffentliche
Verwaltung, dessen Präsident er wird. Dieses verfolgt zwei Ziele: Aufrechterhaltung
der Ideen und Traditionen des Civil Service und Verteidigung der Berufsinteressen der
Civil Servants,
Erleichterung des Informationsaustauschs und von Kenntnissen, die
geeignet sind, die Effizienz des öffentlichen Dienstes zu steigern. Das Institut wird
weitgehend getragen von einer neuen, 1918 gegründeten Gesellschaft, der
Society of
Civil Servants.
Diese organisiert Konferenzen mit dem Ziel, das Interesse der
Öffentlichkeit für die Verwaltung zu erwecken. Ab 1923 gibt das Institut die Zeitschrift
Public Administration
heraus, die sich ausschließlich der Verwaltungswissenschaft
widmet. Neben der
Society of Civil Servants
wirkte an dem Institut die
National
Association of Local Government Officers
mit, so dass sein Aufgabenbereich sowohl
die Zentral- wie die Kommunalverwaltung umfasste. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs
vermehren sich nicht nur die Organisationen der
Civil Servants
, sondern durch die
Aktivitäten vieler Organisationen entwickelt sich eine nachhaltige Unterstützung für
den Beruf des Verwaltungsbeamten. Universitäre Ausbildungsgänge für die öffentliche
Verwaltung werden geschaffen, und es entstehen innerhalb der Verwaltung neue
Berufsfelder. Es geht um die Verwaltung als Ganzes, als einen Bereich der
zivilgesellschaftlichen Organisation. Die Verwaltung, ob kommunal oder staatlich,
verweist auf viele Positionen, die die Gesamtheit der gesellschaftlichen Aktivitäten
berühren. Insoweit ist die Verwaltungswissenschaft die Regierungswissenschaft par
excellence. Die Analyse der Verwaltungsreform charakterisiert sie als Ergebnis eines
Rationalisierungsprozesses, wenn nicht sogar des Ersten Weltkrieges, Faktoren, die
quasi zwangsläufig zu einer Infragestellung des politisch-administrativen Systems
geführt haben. Die Zusammenschlüsse der Verwaltungsbeamten werden in diesem
Prozess häufig übergangen oder als sekundär betrachtet. Die Perspektive kann
umgedreht werden, denn die Verwaltung war sehr wohl Gegenstand reformerischer
Unternehmungen, die größtenteils von Akteuren jener Gruppen getragen wurden, die
auf der transnationalen Szene miteinander verbunden sind.
Transnationale Plattform für die Verwaltungsreformer
Die wissenschaftliche Begründung der Autorität und der Legitimität der
Verwaltungsbeamten hat sich am Ende des Ersten Weltkriegs nicht automatisch
durchgesetzt. Die Reformbewegung, die die Grundlagen für die
Verwaltungswissenschaft legt, ist das Ergebnis transnationaler Interaktionen, die mit
dem ersten internationalen Kongress der Verwaltungswissenschaft 1910 in Brüssel
zusammenhängt. Dieser richtete sich zugleich an Wissenschaftler und Praktiker. Der
Kongress empfing seine Rechtfertigung vor allem aus der Beteiligung des Staates.
Daraus resultierte eine wachsende Bedeutung der Verwaltungswissenschaften. Der
Kongress wurde geleitet von drei Belgiern: Thibault, Mitglied des
Abgeordnetenhauses, Max, Bürgermeister von Brüssel, Cooreman, Mitglied des
Abgeordnetenhauses und ehemaliger Minister für Industrie und Arbeit. Die Arbeiten




