Verwaltungswissen einsetzen. Die Diskrepanz zwischen Verwaltungspraxis und
Universität ist sehr groß. 1928 wird das Kommunalwissenschaftliche Institut an der
Universität Berlin gegründet, das größtenteils von der Stadt Berlin und in geringerem
Maße von den wichtigsten Kommunalverbänden finanziert wird: dem Deutschen
Städtetag, dem Reichsstädtebund, dem Verband der Preußischen Landgemeinden,
dem Deutschen Landkreistag. Der erste Institutsdirektor Walter Norden erhält Anfang
der 1930er Jahre eine bedeutende Subvention vom Staat. Nach den zeitgenössischen
französischen Quellen werden an dem Institut hauptsächlich Führungsbeamte für die
Kommunen und die Kommunalverbände ausgebildet. Das Institut setzt seine
Aktivitäten auch nach dem Januar 1933 fort, im Gegensatz zum Deutschen Städtetag,
das einem Verbot unterliegt und durch eine neue Struktur ersetzt wird. Das Institut
muss durch seine Aktivitäten die kommunale Selbständigkeit hervorheben, die faktisch
durch ein neues Kommunalgesetz von 1935 weitgehend eingeschränkt wird. Wenn
man in Deutschland zunächst glaubt, dass das IIVW praktischen Fragen zu sehr
gewidmet ist und daher kein deutsches Engagement verdient, ändert sich diese
Position 1935, auch als Möglichkeit zu internationalem Einfluss und in Konkurrenz zu
den USA, und man beschließt, sich in dieser Institution einzubringen. Das
Kommunalwissenschaftliche Institut wird zur Deutschen Sektion des IIVW, dessen
Kongress 1939 in Berlin stattfinden sollte.
Daraus kann man ersehen, dass Vorhaben einer starken internationalen Förderung
der Verwaltungsreformidee in Form von Praxis- und Erfahrungsaustausch auf den
verschiedenen Regierungsebenen mit geopolitischen Gegebenheiten
zusammenstoßen kann, die am Ende den Sieg davontragen.




